Nach verschiedenen offiziellen Missionen im Auftrag des Fürsten, so z. B. beim Rheineinbruch 1927 bei Schaan, betraute ihn Fürst Franz I. am 17. April 1930 verfassungsgemäss bei längerer Abwesenheit meinerseits vom Lande mit der Ausübung mir zukommender Hoheitsrechte. Vom 12. März 1938 an lagen die österreichischen Besitzungen der Fürstenfamilie im nationalsozialistischen Herrschaftsbereich. Am 30. März 1938 wurde er als Prinzregent des Fürsten berufen.
Am 25. Juli 1938 übernahm Franz Josef II. die Regentschaft seines verstorbenen Vorgängers Fürst Franz I. und liess sich in Liechtenstein nieder. Die NS-Herrschaft wurde im Herbst 1938 und im Frühjahr 1939 auf ganz Böhmen und Mähren ausgedehnt; im Lichte dieser und weiterer Entwicklungen war die Entscheidung des Fürsten ein weitblickender Entschluss. Er war der erste Fürst, der seinen Hauptwohnsitz in Liechtenstein hatte. Ständiger Wohnsitz der Fürstenfamilie wurde das Schloss Hohenliechtenstein über Vaduz, das der Fürst wohnlich ausbauen liess.
Am 29. Mai 1939 fand im Angesicht der Bedrohung durch das Deutsche Reich die Huldigung des liechtensteinischen Volkes an seinen Fürsten statt: sichtbare Willenserklärung, die Selbstständigkeit des Staates zu erhalten.[1] Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs liess der Fürst den Grossteil seiner im NS-Herrschaftsbereich verbliebenen Kunstwerke ins Fürstentum Liechtenstein bringen;[2] die deutsche Regierung konnte dies einem fremden Souverän nicht verbieten.
Während des Zweiten Weltkrieges, am 7. März 1943, heiratete er in Vaduz die Österreicherin Georgina Wilczek (1921–1989) aus der bis 1919 gräflichen Familie Wilczek. Ihre gemeinsamen Kinder sind:
Die Ländereien des Fürsten in Böhmen und Mähren, darunter die Schlösser Eisgrub und Feldsberg in Südmähren, wurden mit allem Inventar 1945 nach Wiedererrichtung der Tschechoslowakei enteignet. Durch die sogenannten Beneš-Dekrete wurden damals alle Deutschen entschädigungslos enteignet und die meisten vertrieben, wobei nicht die Staatsangehörigkeit, sondern die ethnische und sprachliche Zuordnung für die Klassifizierung als „Deutscher“ entscheidend war, was auch auf die Fürstenfamilie von und zu Liechtenstein zutraf. Die Stiftung Fürst Liechtenstein klagt inzwischen vor tschechischen Bezirksgerichten auf Rückgabe.[3] Das Stadtpalais Liechtenstein in Wien wurde im Februar 1945 bei einem Bombenangriff schwer beschädigt. (Hier werden ab 2013 weitere Teile der liechtensteinischen Kunstsammlungen gezeigt.[4])
Nach dem Krieg galt die Sorge Franz Josefs II. dem wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Fortschritt Liechtensteins. Vom Erfolg seiner Bemühungen zeugte ein modernes und in hohem Masse lebensfähiges Liechtenstein, das sich aus dem «Huckepack» der Schweiz (wirtschaftliche Anlehnung) gelöst hat und als Mitglied in EWR und UNO internationales Ansehen gewonnen hat. Die Gründung des Liechtensteinischen Roten Kreuzes 1945, die Einrichtung eines Kinderheims und einer Bildungsstätte für geistig behinderte Kinder gehen auf den Fürsten und seine Gattin zurück.
Im Jahre 1956 liess er eine Gedenkmedaille zum 50. Geburtstag prägen. In seinem 45. Regierungsjahr, 1984, setzte Fürst Franz Josef II. gemäss Artikel 13 der VerfassungErbprinzHans-Adam II. als dauernden Stellvertreter ein und beauftragte ihn mit der Wahrnehmung der Staatsgeschäfte. Am 13. November 1989, nach dem Tode von Fürst Franz Josef II., wurde sein Sohn als Fürst Hans-Adam II. Staatsoberhaupt.
Im Mai 1945 gewährte Fürst Franz Josef II. den in deutschen Uniformen gegen Sowjetrussland kämpfenden Truppen der 1. Russischen Nationalarmee der Deutschen Wehrmacht unter dem Befehl des Generalmajors Arthur Holmston (alias Boris Graf Smyslowsky) Asyl und lieferte sie auch auf Druck nicht an die Sowjetunion aus. Das neutrale Liechtenstein hatte die geheimen Repatriierungsabkommen der Alliierten von Jalta weder gesehen noch mitunterzeichnet.
Grabstätte
46 Jahre waren Fürst Franz Josef II. und Fürstin Gina von und zu Liechtenstein verheiratet. Dann starb Fürstin Gina am 18. Oktober 1989 im Alter von 68 Jahren nach einem langen Krebsleiden. Sie hatte einmal gesagt: Mein Mann und ich sind eins geworden, jeder glaubt, ohne den anderen nicht mehr sein zu können. Nur 26 Tage nach dem Tod seiner Frau verstarb Fürst Franz Josef II. am 13. November 1989 im Spital von Grabs in der Schweiz, wenige Kilometer westlich der Grenze des Fürstentums. Fürst Franz Josef II. und seine Gattin wurden in der 1960 vollendeten Fürstlichen Gruft bei der katholischen Kathedral- und Stadtpfarrkirche St. Florin in Vaduz bestattet. Die Gräber sind der Öffentlichkeit nur einmal jährlich, zu Allerheiligen (1. November), zugänglich.
Vorfahren
Ahnentafel Fürst Franz Josef II. von und zu Liechtenstein
Arthur Charles Addington: Genealogisches Handbuch des Adels (GHdA). Genealogisches Handbuch der Fürstlichen Häuser. Fürstliche Häuser Band XIV. In: Deutsches Adelsarchiv e. V. (Hrsg.): GHdA. Band100. Starke, Limburg an der Lahn 1991, ISBN 3-7980-0700-4, S.65–84.
Wilhelm Karl Prinz von Isenburg: Stammtafeln zur Geschichte der europäischen Staaten. Band I. Die deutschen Staaten. 2., verbesserte Auflage. Stargardt, Marburg 1953 (Tafeln 175–179).
Norbert Jansen: Franz Josef II., regierender Fürst von und zu Liechtenstein. Ein Porträt, mit einer kurzgefassten Geschichte des Landes und des Hauses Liechtenstein. Aus Anlass des 40. Regierungsjubiläums Seiner Durchlaucht Fürst Franz Josef II. von und zu Liechtenstein. Lehrmittelverlag, Vaduz 1978 (deutsch, englisch, französisch).
Europäische Stammtafeln. Stammtafeln zur Geschichte der europäischen Staaten. Neue Folge. In: Detlef Schwennicke (Hrsg.): EST NF. Band III: Herzogs- und Grafenhäuser des Heiligen Römischen Reiches, andere europäische Fürstenhäuser. Klostermann, Frankfurt am Main 1984 (Tafeln 30–39).
Nikolai Tolstoy: Die Verratenen von Jalta. Ullstein Taschenbuch, Frankfurt am Main 1987, ISBN 3-548-33079-7, S.543–551 (Originaltitel: The victims of Yalta. Übersetzt von Elke Jessett).
Henning von Vogelsang, Fürst Hans-Adam II. von und zu Liechtenstein (Vorwort): Die Armee, die es nicht geben durfte. Russen in deutscher Uniform und ihre Rettung in Liechtenstein. Hess, Ulm 1995, ISBN 3-87336-213-9.
Harald Wanger: Die regierenden Fürsten von Liechtenstein. van Eck, Triesen FL 1995, ISBN 3-905501-22-8.
Verfassung des Fürstentums Liechtenstein vom 5. Oktober 1921. In: Liechtensteinisches Landesgesetzblatt. Nr.15, 24. Oktober 1921.
Verfassungsgesetz vom 28. Juni 1984 über die Ergänzung und Abänderung der Verfassung vom 5. Oktober 1921. Einrichtung einer Stellvertretung. In: Liechtensteinisches Landesgesetzblatt. Nr.28, 18. August 1984.
↑Günther Meier: Fürst Franz Josef II. und das Volk schwören sich die Treue. In: Liechtensteiner Volksblatt. 29. Mai 2019 (Online [abgerufen am 7. Juli 2019]).
↑Till Janzer: Radio Prag. Stiftung Fürst Liechtenstein verklagt Tschechien wegen Enteignungen nach 1945. In: radio.cz. Český rozhlas, 20. Oktober 2018, abgerufen am 21. Oktober 2018.
↑Jean Schoos: Die Orden und Ehrenzeichen des Großherzogtums Luxemburg und des ehemaligen Herzogtums Nassau in Vergangenheit und Gegenwart. Verlag der Sankt-Paulus Druckerei, Luxemburg 1990, ISBN 2-87963-048-7. S. 345.