Ignatius Geitel schloss eine Lehre als Steinmetz ab und besuchte danach die Maler- und Bildhauerklasse der Essener Folkwangschule.[1] Danach studierte er an der Handwerker- und Kunstgewerbeschule Trier in der Meisterklasse Glasmalen, wo er 1932 Meisterschüler von Heinrich Dieckmann wurde, der wiederum ein Schüler von Jan Thorn Prikker war. Seit 1936 war er als selbstständiger Künstler tätig. In Folge der Beteiligung an einer Ausstellung mit seinem Bild Das lungenkranke Kind kam es zu einer Vorladung vor die nationalsozialistische Kunst-Kommission in Düsseldorf.[1] Nach Kriegsdienst und russischer Kriegsgefangenschaft hatte er sein erstes Atelier in der ausgebombten Freiherr-von-Stein-Schule in der Arndtstraße. Er war er ab 1950 an Ausstellungen des Bochumer Künstlerbunds und der Künstlergruppe junger westen in Recklinghausen beteiligt. 1952 folgte der Austritt aus dem Bochumer Künstlerbund und die Gründung der Künstlervereinigung „Hellweg“,[2] der sich auch Hermann Breucker, Hans Kaiser und Hans-Jürgen Schlieker anschlossen. Sein zweites Atelier hatte er ab 1951 im Maschinenhaus der Zeche Karl-Friedrich-Erbstollen bezogen. Viele Kunstschaffenden hatte bei der Raumnot in der Nachkriegszeit nur durch leer stehenden Industriebauten eine Chance einen Atelierraum zu bekommen.[3] Im Jahr 1954 erhielt er eine Einladung durch die New York Times in die USA, in diesem Rahmen entstand zur Präsentation seiner Arbeiten auch ein kurzer Film. Dort erhielt er viele Einladungen zu gesellschaftlichen Ereignissen. Er kehrte aber bald wieder zurück, da er sich nicht „herumreichen lassen“ wollte.[4]
Für mehr als ein Dutzend Kirchen, Kapellen und Trauerhallen schuf er die Fenster, teilweise – wie in der Heinrich-Böll-Schule – ganze Fensterfronten. Seine Werke waren Bleiglasarbeiten, Klebeglas- und Dickglasfenster, deren Gestaltung von klassisch-figürlichen Darstellungen über zunehmend grafischen Formen bis hin zur völligen Abstraktion reicht. Diese Arbeiten entstanden in den 1950er/60er-Jahren.[5]
Viele seiner Mosaike und Glasfenster befinden oder befanden sich im öffentlichen Raum, unter anderem folgende Werke:
Nachdem die Zeit des Wiederaufbaus beendet war, wendete sich Geitel ganz der Malerei zu.[5] Bis zu seinem Tod im Jahr 1985 war er an verschiedenen Kunstprojekten beteiligt und stellte ab 1968 regelmäßig in seinem eigenen Haus aus. Seine Atelierhäuser in Bochum-Stiepel stehen unter Denkmalschutz (A 536).[3] Eins wurde 1957 von dem Bochumer Architekten Roman Reiser entworfen.
Als Nachlassverwalterin fungiert die frühere Lebensgefährtin des Künstlers, Inge Diergardt.[1] Zur Bedeutung von Geitel meinte Sepp Hiekisch-Picard im Ausstellungskatalog der Retrospektive im Kunstmuseum Bochum:
„In den 1950er und 60er Jahren gehörte Ignatius Geitel zu den meistbeschäftigten Bochumer Künstlern im öffentlichen Raum und muss neben Heinz Wilthelm wohl zu den wichtigsten Glaskünstlern der Region gezählt werden. … Experimente mit Gussglas in Beton, Sgraffitos und Mosaike … gehören ebenso zu seinen Aufträgen wie traditionelle … Fenster mit biblischen Motiven.“
Peter Spielmann: Ignatius Geitel 1913–1985. Katalog Museum Bochum, 1988
Hans H. Hanke: Das Kaufhaus Kortum und die Kunst. Ignatius Geitels Cafeteria-Fenster von 1954. In: Bochumer Zeitpunkte, Nr. 7 (2000), S. 10–13. (online als PDF)
Clemens Kreuzer: Das Niobe-Mosaik des Ignatius Geitel. Geschichte und aktuelle Aspekte eines Bochumer Mahnmals. In: Bochumer Zeitpunkte, Nr. 15 (2004), S. 12–17. (online als PDF)
Film
Ignatius Geitel. Dokumentarfilm ohne Kommentar von Hans Gregor (1954), 30 Minuten. Der Film wurde 2023 mit einem begleiteten Kommentar versehen, und im Rahmen der Ausstellung im Stadtarchiv Bochum gezeigt.
↑Hans H. Hanke: Das Kaufhaus Kortum und die Kunst. Ignatius Geitels Cafeteria-Fenster von 1954. In: Bochumer Zeitpunkte. Beiträge zur Stadtgeschichte, Heimatkunde und Denkmalpflege, Nr. 7, Juli 2000, S. 10–13, hier S. 11.