Matrei am Brenner
Matrei am Brenner (häufig abgekürzt Matrei a. Br.) ist eine Marktgemeinde, die mit Beginn 2022 durch Fusion stark vergrößert wurde, mit 3556 Einwohnern (Stand 1. Jänner 2024) im Bezirk Innsbruck-Land in Tirol (Österreich). Die Gemeinde liegt im Gerichtsbezirk Innsbruck. Kulturell, wirtschaftlich und siedlungsmäßig war die (ehemalige) Gemeinde bis Ende 2021 stark mit den Nachbargemeinden Pfons und Mühlbachl verbunden und wurde per 1. Jänner 2022 mit diesen beiden Nachbargemeinden vereinigt. GeografieLageMatrei liegt im nördlichen Teil des Wipptals, etwa 17 km südlich von Innsbruck. Matrei mit seinem geschlossenen Ortskern mit teils reich verzierten Bürger- und Gasthäusern war bis Ende 2021 mit 0,36 km² flächenmäßig die zweitkleinste Gemeinde Österreichs (nach Rattenberg). Nach der Gemeindefusion umfasst die Marktgemeinde 50,93 km² Nachbargemeinden
GemeindegliederungDie Gemeinde umfasst drei Katastralgemeinden (Fläche: Stand 31. Dezember 2021[1]):
Sie gliedert sich in zehn Ortschaften (in Klammern Einwohnerzahl Stand 1. Jänner 2024[2]):
GeschichteFunde der späten Bronzezeit und der Hallstattkultur beweisen eine frühe Besiedelung an einer verkehrsgeografisch wichtigen Stelle. Der Name leitet sich von der römischen Straßenstation Matreium ab, die in der Tabula Peutingeriana verzeichnet ist, und hat wahrscheinlich einen vorrömischen Ursprung. Zahlreiche Urnengräber deuten auf eine größere antike Siedlung hin. 955 wurde ein „locus Matereia“ erstmals urkundlich erwähnt. Mit dem Namen war ursprünglich ein Wald gemeint (1160: „apud silvam Matereia“). Der Name lässt sich zu lateinisch materia ‚Bauholz‘ stellen. Noch heute gibt es die Flur Matreiwald in Mühlbachl.[3] In der Zeit der Karolinger wurde in Matrei eine Pfarre errichtet. Diese erstreckte sich einst über das gesamte mittlere und untere Wipptal. 1251 wurde Matrei zum Markt erhoben. 1497 trat der Bischof von Brixen den Markt an Tirol ab, das Marktgericht blieb jedoch bis 1810 bestehen und wurde dann dem Landgericht Steinach einverleibt.[4] Matrei, ehemals Deutsch-Matrei (in Abgrenzung zu Windisch-Matrei[5]), gehörte lange Zeit zum Besitz der Grafen und Fürsten von Trautson. Der rege Personen- und Warenverkehr über den Brennerpass machte Matrei zu einer wichtigen Station im Fuhrverkehr. Er hörte mit der Eröffnung der Brennerbahn 1867 fast gänzlich auf. Am 5. Mai 1916 zerstörte ein Großbrand 55 Häuser der Altstadt.[6] Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Matrei am 22. März 1945 bombardiert, es gab 48 Todesopfer. Die zerstörten Häuserreihen wurden nach dem Krieg in der ortsüblichen Bauweise wiedererrichtet. Eine Gemeindezusammenlegung der flächenmäßig viel kleineren, ehemaligen Marktgemeinde Matrei am Brenner mit den einfachen Gemeinden Mühlbachl und Pfons wurde durch eine Volksabstimmung 1974 abgelehnt, 2020 mit deutlichen Mehrheiten in allen drei Gemeinden jedoch befürwortet. Die Fusion erfolgte zum 1. Jänner 2022 zu (wiederum) Matrei am Brenner.[7][8]
Kultur und SehenswürdigkeitenSiehe auch: Liste der denkmalgeschützten Objekte in Matrei am Brenner-Matrei, Liste der denkmalgeschützten Objekte in Matrei am Brenner-Mühlbachl und Liste der denkmalgeschützten Objekte in Matrei am Brenner-Pfons
TourismusDie Gemeinde Matrei gehört touristisch gesehen zum Tourismusverband Wipptal und seine Seitentäler. Besonders prägend für die Gegend ist das Naturschutzgebiet „Serles – Blaser – Zuckerhütl“. Die Serles, gerne als „Hochaltar Tirols“ bezeichnet, gehört wohl aufgrund seiner Form zu den bekanntesten und markantesten Berggipfeln rund um Innsbruck. Am Fuße der Serles liegt das höchstgelegene Kloster Mitteleuropas: Maria Waldrast. SommerDas Erlebnisreich rund um das Kloster umfasst ein umfangreiches Wegenetz für Wanderer mit den Themenwegen Quellenweg und Schöpfungsweg. Als Einkehrmöglichkeit gibt es die Ochsenalm sowie den Klostergasthof Maria Waldrast mit großer Sonnenterrasse. WinterAnfang Dezember findet seit 2001 jährlich der „Tiroler Operettenadvent“ in Matrei statt. Neben einem traditionellen Weihnachtsmarkt mit Musik-Gruppen, Hirtenspiel und regionalen Produzenten im Ortskern von Matrei (auch direkt in den Handwerksbetrieben/Gasthöfen) gibt es noch eine musikalische Aufführung im ehemaligen Gemeindesaal von Pfons. Ansonsten gibt es schöne Winterwanderwege und eine 5 km lange beleuchtete Naturrodelbahn bei Maria Waldrast. Wirtschaft und InfrastrukturVon wirtschaftlicher Bedeutung sind Tourismus und Gewerbebetriebe. Die Wasserkraft der Sill wird durch das 1898 errichtete Laufkraftwerk Brennerwerk mit einer Leistung von 7,7 MW genutzt. Verkehrsmäßig ist der Ort durch die Brenner-Bundesstraße B 182, die Brennerautobahn A 13 und mit einem Bahnhof der Brennerbahn erschlossen. Von Matrei gibt es durch die S-Bahn Tirol (Linien S3 und S4) eine Anbindung an Innsbruck und den Ort Brenner (Südtirol/Italien). Vom Bahnhof in Matrei gibt es Busverbindungen ins Navistal. PolitikNach der Gemeindefusion am 1. Jänner 2022 wurde Franz Markt von der Tiroler Landesregierung als Amtsverwalter eingesetzt. Die erste Gemeinderats- und Bürgermeisterwahl der Fusionsgemeinde fand am 20. März statt. Es wurden 15 Mandatare gewählt.[10][11] Gemeinderat
Im Herbst 2020 hat die Bevölkerung für eine Gemeindefusion mit Pfons und Mühlbachl votiert. Bürgermeister
Wappen
Alle Vorgängergemeinden hatten Gemeindewappen, die bei der Gemeindezusammenlegung mit 1. Jänner 2022 ihre offizielle Gültigkeit verloren. Das Marktwappen von Matrei zeigte bisher in einem roten Schild drei silberne Eier. Es wurde erstmals 1578 als Marktsiegel verwendet. Traditionell wird es als sprechendes Wappen gedeutet und auf die im Ortsnamen enthaltenen Wörter „drei“ und „Ei“ zurückgeführt. Die genaue Bedeutung ist unbekannt.[15][16] Das derzeitige Gemeindewappen wurde am 6. November 2022 durch den Tiroler Landeshauptmann Anton Mattle verliehen. Eine entsprechende Verordnung der Tiroler Landesregierung stammt vom 15. August 2022. Es handelt sich um eine Kombination der bisherigen Gemeindewappen von Matrei, Mühlbachl und Pfons im erniedrigten Deichselschnitt.[17] PersönlichkeitenEhrenbürger der Gemeinde
Söhne und Töchter der Gemeinde
Mit der Gemeinde verbundene Persönlichkeiten
WeblinksCommons: Matrei am Brenner – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Matrei am Brenner – Reiseführer
Einzelnachweise
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